Reifegradmodell - RGM 4.0

ISAP AG - Reifegradmodell RGM 4.0

Never touch a running system, oder etwa doch? Warum es im Zeitalter der Digitalisierung 4.0 eben doch sinnvoll ist unbequem zu sein. Dieser Artikel beschäftigt sich vertiefend mit der Orientierungsphase auf dem Weg zu einer ausgereiften Digitalisierungsstrategie.

 

Die zentrale Frage die im Raum steht: wie ist die digitale Transformation richtig anzugehen? Mit dieser Fragestellung sind wir bereits mitten in der Orientierungsphase angekommen und beweisen auch, dass wir uns mit der Thematik bereits beschäftigt haben. Es gilt nun objektiv zu klären, wo das eigene Unternehmen steht, welche Ziele verfolgt werden und wo etwaige Potentiale, von denen man eventuell selber noch gar nichts wusste, liegen.

Externe Hilfestellungen bieten sich an, um einen Startpunkt zu definieren und sich damit vor der Gefahr der Selbsttäuschung zu schützen. Möglicherweise ist man bei seinen Recherchen bereits auf ein sogenanntes Reifegradmodell gestoßen und der CDO, Chief Digital Officer, steht an dem Punkt eine entsprechende Herangehensweise an die digitale Transformation auszuarbeiten.

Dabei ist der Begriff Reifegrad in Bezug auf die Digitalisierung 4.0 kritisch. Schließlich stellen sich entsprechende Fragen gar nicht mehr, wenn man bereits gereift ist. Vielmehr verstehen sich diese Konzepte als Statusaufnahme der Unreife. Diese Statusaufnahme soll als Türöffner dienen, eine ausgereifte Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und somit den gewünschten Reifegrad zu erzielen. An diese Ausgangssituation möchten wir nun anknüpfen.

Eine mögliche Kategorisierung der Reifegrade:

Mögliche Reifegrade der Digitalisierung - Industrie 4.0

 

Zunächst gilt es intern zu eruieren, in welchen Abteilungen bereits Digitalisierungsziele definiert wurden und ob dabei Überschneidungen zwischen den Abteilungen vorliegen. Diese Evaluierung wird bei der Erfassung der Unternehmenskultur behilflich sein und Auskünfte über die kooperative Zusammenarbeit, die Hierarchie und die Agilität liefern. Es sollten bereits Überlegungen vorliegen, welche Ebenen einer digitalen Transformation vollzogen werden sollen. Die eigenen Produkte, die Produktentstehung oder beides. 

Ein erster Fragenkatalog bietet dem Ratgeber die Möglichkeit, ein grundlegendes Verständnis über die Produktstruktur, den Entwicklungsprozess, die wirtschaftliche Gesamtstruktur sowie die vertikale und horizontale Integrität zu erlangen. Auf dieser Basis baut das spätere Reifegradmodell auf.

Dieser Vorabbefragung schließt sich ein Beratungstermin im Umfang von einem Dienstleistungstag an. In einer offenen Diskussionsrunde mit Vertretern der Entscheiderebene wird in Dialogform eine detaillierte Befragung zu verschiedenen Handlungsfeldern durchgeführt. In diesem Dialog ist es selbstverständlich möglich, diese Handlungsfelder hinterfragend zu diskutieren und seinerseits Fragen zu stellen. Die erwähnten Handlungsfelder gliedern sich wiederum in mehrere Handlungselemente auf.

Die Handlungsfelder lassen sich beispielhaft in die Produktentstehung, die Prozesse, die IT-Infrastruktur, die Sicherheit und das Wertschöpfungsnetz mit ihren entsprechend zugeordneten Handlungselementen gliedern. Die unten stehende Grafik verdeutlicht diese Handlungsfelder. Es wird an dieser Stelle allerdings kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.

Handlungsfelder im Produktentstehungsprozess

 

In diesem beispielhaften Reifegradmodell werden die Ergebnisse der Handlungselemente vom Interviewer in drei Dimensionen protokolliert. Sie gliedern sich in den Ist-Zustand, die festgelegte Strategie bzw. den Soll-Zustand und die verwendeten Technologien, die man als Werkzeuge im Ist- und für den Soll-Zustand verstehen kann. Der Soll-Zustand kann dabei um eine Roadmap erweitert werden, damit der Ratgeber die Strategie in einen zeitlichen Kontext setzen kann.

Durch die intensive Befragung wird man sich gezwungenermaßen mit der Thematik Digitalisierung beschäftigen müssen und wird anschließend sein eigenes Unternehmen im Kontext von Industrie 4.0 besser verstehen können. Im Anschluss an das Reifegradmodell kann man von Seiten des Beraters erwarten, eine Priorisierung von Handlungsempfehlungen in Form einer Ergebnispräsentation zu erhalten. Eine intensive Potentialanalyse zur Durchleuchtung der Arbeitsabläufe ermöglicht die Digitalisierungsstrategie strukturiert umzusetzen. Aus den im Reifegradmodell zunächst als weiche Faktoren festgestellten Handlungsempfehlungen werden dann harte Potentiale definiert.

Dabei verfolgt das Reifegradmodell stets das Ziel, seine Neutralität bei der Bewertung des Digitalisierungspotentials zu gewährleisten. Externe Berater, neutrale Fragestellungen und nicht als Schulnotensystem zu verstehendes Bewertungsschema sollen eine individuelle und neutrale Handlungsempfehlung sicherstellen. Die folgende Darstellung verdeutlicht exemplarisch wie eine beschriebene Ergebnispräsentation aussieht. Dabei wird das Gesamtergebnis in Teilergebnisse der einzelnen Handlungsfelder aufgebrochen.

Beispielhafte Ergebnispräsentation des Reifegradmodells RGM 4.0

 

Die dargestellten Zahlenwerte ergeben sich aus einem festgelegten Bewertungsschema, wobei die Stufe 1 nicht als schlecht und Stufe 5 nicht als überragend zu verstehen ist, sondern vielmehr geben sie Aufschluss darüber wo es Sinn macht anzusetzen bzw. wo es, möglicherweise aufgrund bereits vollkommener Digitalisierung oder aufgrund des Geschäftsmodells, nicht sinnvoll ist die Thematik Digitalisierung weiterzuverfolgen. Des Weiteren wird in dieser Ergebnispräsentation Stellung zur strategischen Auslegung genommen, damit der definierte Soll-Zustand schlussendlich erreicht werden kann. Nach einer entsprechenden Evaluierungsphase ermöglicht die Ergebnispräsentation eine Einordnung des eigenen Unternehmens im Kontext von Ist- und Soll-Zuständen anderer mittelständischer Unternehmen. Abschließend bietet sich eine Potentialanalyse an, mit der auf verschiedenen Ebenen, vom Anwender bis zur Entscheidungsebene, die Umsetzung der eruierten Digitalisierungsstrategie konzeptioniert werden soll.

Ein wie hier stellvertretend vorgestelltes Reifegradmodell wendet sich also an alle Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die Unterstützung oder einen Einstieg finden möchten, um eine durchdachte Digitalisierungsstrategie zu entwickeln. Der Vorteil des Fragebogens, der beispielsweise durch ein Ticketsystem online gebucht werden kann, ermöglicht es viele Unternehmen mit einem geringen Aufwand zu erreichen und lässt sich dadurch zukünftig statistisch als Vorteil für ihr Unternehmen belegen.

Wir hoffen, dass Sie die Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie nun besser erfassen können und ein Reifegradmodell als mögliche Umsetzbarkeit dieser erkannt haben.