Deutsche Wirtschaft erholt sich von Corona-Krise

Sinkende Kurzarbeit und steigende Auftragsraten führen dazu, dass sich die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs befindet.

Die deutsche Industrie hat im ersten Halbjahr 2021 ein deutliches Auftragsplus verzeichnet.

Wie das Statistische Bundesamt errechnete, stieg der Wert der Bestellungen preisbereinigt um 28,1 Prozent gegenüber dem von der Pandemie geprägten Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr des Corona-Krisenjahres 2020 betrug das Plus 8,0 Prozent.

Von Mai auf Juni 2021 erhöhte sich der Wert der Bestellungen nach Berechnungen des Bundesamtes um 4,1 Prozent. Dabei profitierten die Firmen von Großaufträgen – vor allem die Aufträge aus dem Inland stiegen diesmal laut dem Institut für Wirtschaftsforschung um 9,6 Prozent zum Vormonat, wozu besonders die hohe Nachfrage in den Bereichen IT und Optik sowie sonstiger Fahrzeugbau beitrug. Im Vergleich zum pandemiebedingt schwachen Juni 2020 lag der Wert der Aufträge im Juni ein Jahr später um 26,2 Prozent höher.

 

Materialmangel dämpft den Aufschwung

Die Umsätze erholen sich allerdings trotz prall gefüllter Auftragsbücher nicht in gleichem Maße: Lieferengpässe und Materialknappheit bremsen die Produktion, so Chefsvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Die fehlenden Vorprodukte belasten die die gute Auftragssituation, da diese nicht in eine entsprechend gut laufende Produktion umgemünzt werden könne, denn schon fast zwei Drittel der deutschen Industriebetriebe hat mit Materialmangel zu kämpfen.

 

Kurzarbeit auf niedrigstem Stand

Die gute Auftragslage für die Industrie spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Die Zahl der Kurzarbeitenden ist laut des Ifo-Instituts auf dem niedrigsten Stand seit Ausbruch der Pandemie im Februar 2020. Wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte, waren im Juli 2021 noch 1,06 Millionen Menschen in Kurzarbeit, während es im Vormonat 1,39 Millionen waren.

Jedoch gab es in einigen Branchen auch einen leichten Anstieg der Kurzarbeit: In der Autoindustrie etwa stieg die Zahl der Kurzarbeitenden gegen den Trend von 14.500 auf 32.100, was 3,4 Prozent der Beschäftigten dort entspricht. Die dortigen Firmen klagen über den größten Materialmangel seit 30 Jahren.

 

Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent

Trotz Lieferengpässen und der weiter schwelenden Corona-Krise, ist die deutsche Wirtschaft mittlerweile wieder auf Wachstumskurs. Mit dem Ende des Lockdowns stieg das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr um 1,5 Prozent zum Vorquartal, nachdem es zu Jahresbeginn noch um 2,1 Prozent gesunken war. Zu dieser Erholung trugen vor allem höhere private und staatliche Konsumausgaben bei. Die Bundesbank geht davon aus, dass sich das Wachstumstempo im Zuge der schrittweisen Öffnung der Wirtschaft im Sommer noch beschleunigt: so könnte das Bruttoinlandsprodukt im laufenden dritten Quartal sein Vorkrisenniveau erreichen.

 

Quelle: Statistisches Bundesamt, ZEIT ONLINE, Tagesschau online