Aktuelle Lage im Maschinen- und Anlagenbau

Im Jahr 2020 sind Auftragszahlen und Produktionsauslastung im Maschinen- und Anlagenbau katastrophal niedrig gewesen. Nach Monaten der Kurzarbeit und fehlenden Aufträgen gibt es endlich Lichtblicke, die Auftragslage wird stetig besser, der Maschinenexport wächst, doch Materialknappheit und pandemiebedingte Lieferverzögerungen geben dem Aufschwung einen Dämpfer.

 

Der Maschinenbau ist, gemessen an seiner wirtschaftlichen Leistung, der größte Industriezweig in der EU. Auch in der Beschäftigtenzahl liegt die Branche weit vorne, an Platz drei, gleich hinter dem Nahrungsmittelgewerbe und dem Sektor Metallerzeugnisse. Mit der Corona Krise 2020 fiel die Branche jedoch in eine tiefe Rezession, der größten seit der Finanzkrise 2009, deren Auswirkungen auch in diesem Jahr noch zu spüren sind.

90 %, also der Großteil der Werkzeugmaschinenhersteller, klagte Anfang des Jahres noch über Mangel an Aufträgen, etliche Beschäftigte waren in Kurzarbeit und Maschinen standen still.

 

Gute Auftragslage, aber Schwierigkeiten mit der Materialversorgung

Im Laufe dieses Jahres kam endlich wieder ein Aufatmen, die Auftragslage im Maschinen- und Anlagenbau pendelte sich langsam auf einem guten Niveau ein, im Juli gingen, im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres, 53 % mehr Bestellungen ein und das gesamte zweite Quartal dieses Jahres verbucht sogar ein Auftragsplus von 57%. Auch die Produktion nahm im ersten Halbjahr um 7,6 % zu, wobei sie im ersten Quartal noch bei etwa -0,7% lag.

Durch die positiven Entwicklungen der Auftragslage sind die Maschinenkapazitäten zum Ende des ersten Halbjahrs 2021 ausgelastet. Während die Kapazitätsauslastung im Januar dieses Jahres noch bei 79,9% lag, deutlich unter den Werten der letzten 10 Jahre, ist sie in den letzten Monaten deutlich angestiegen und liegt jetzt bei 88,7%, also sogar über dem Mittelwert der Vorjahre.

Während die steigende Produktionsauslastung eine positive Entwicklung für den Maschinen- und Anlagenbau darstellt, kommt nun die Problematik der Materialknappheit ins Bild. Mittlerweile spüren laut einer Umfrage 70 % der Unternehmen Auswirkungen des Materialmangels auf die Produktion, wobei Elektronik- und Stahlindustrie am stärksten betroffen sind. Außerdem hat die Pandemie immer noch Auswirkungen auf Lieferketten: Frachtpreise sind angestiegen und Krankheitsfälle können schnell zu folgenschweren Verzögerungen führen.

 

Grundsätzlich positive Entwicklung der Maschinenexporte

Die Maschinenexporte wurden von der Pandemie stark negativ beeinflusst, sie lagen im letzten Jahr fast 10% niedriger als noch 2019. Allerdings waren die verschiedenen Fachzweige unterschiedlich stark betroffen, besonders schlimm getroffen hat es die Werkzeugmaschinenhersteller, die einen Rückgang der Exporte von 25,7 % verzeichneten. Insgesamt stiegen die Exporte im ersten Halbjahr um 11,2% verglichen mit demselben Zeitraum des Vorjahres.

 

Positive Entwicklung der Branche erwartet

VDMA Volkswirte erwarten für das Jahr 2021 eine Produktionssteigerung von insgesamt 10%, die Prognosen bleiben also trotz neu aufkommender Hürden positiv. Eine Umfrage des VDMA zeigt außerdem, dass einige Unternehmen zuversichtlich auf ihre Exporte blicken. 45% der Unternehmen gaben an, dass sie eine Exportsteigerung nach China von 10% erwarten und ca. 37% der Befragten erwarten eine ähnliche Entwicklung ihrer Exporte nach Nordamerika. Auch die Situation der Beschäftigung verbessert sich, bereits im Juni war die Zahl der Beschäftigten, die sich in Kurzarbeit befinden, auf 52.000 gesunken und lag somit kaum über den Werten, die vor der Corona Pandemie vorherrschten. Es entwickelt sich durch die gute Auftragslage sogar ein Trend hin zu mehr Neuanstellungen, begleitet von einem spürbaren Fachkräftemangel, der die guten Entwicklungen der letzten Monate hoffentlich nicht zu sehr ausbremst.

 

Quellen: VDMA „Maschinenbau in Zahl und Bild 2021“, „Deutschland Konjunktur Bulletin 2021“ ,VDMA Artikel